NORA WEHNER

Energie für Mensch und Pferd

Die Gedanken sind frei...

Manchmal ganz regelmäßig, manchmal nur sporadisch.
Hier wirst du hier alles was mich gerade bewegt zu lesen bekommen!

Natürliches Herdenverhalten bei Pferden
Zum Download, ausdrucken und weiterverteilen!!
herdenverhalten.pdf (84.35KB)
Natürliches Herdenverhalten bei Pferden
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17.04.2021

Mein Trainer-Tagebuch II

Von Problempferden und anderen falschen Interpretationen

Ein Notruf ereilte mich vergangenes Jahr. Der “letzte“ Versuch für einen jungen Wallach. Pferd und Besitzerin haben in kurzer Zeit bereits viel erlebt. Schon der Start für das Pferd als Reitpferd ging nach hinten los. Die Besitzerin bekam das Pferd namens Matz verstört von den Trainern wieder zurück, wurde vor vollendete Tatsachen gestellt und musste für dieses Schindluder auch noch viel Lehrgeld zahlen. Der Wallach sei dominant und wehrhaft.
So ging die Spirale immer weiter bergab. Die nächsten Bereiter wussten sich nicht zu helfen und missbrauchten dieses Pferd aus Unwissenheit und Unfähigkeit.
Genau so sollte eine “Karriere“ von einem Pferd NICHT aussehen!
Nach dem Sichten des ersten Videos war mir klar: Matz kann nicht anders. Mit hunderten Fragezeichen im Kopf weiß er einfach keinen Ausweg mehr.
Mein Therapievorschlag: Ein halbes Jahr Koppelpause mit Verwöhnprogramm und dann im Frühling kompletter Reset. Wir beginnen bei diesem Pferd von Null. Und noch ein bisschen davor.

Schon als ich aus dem Auto ausstieg, sah mich Matz resigniert an, die Jalousien gingen runter. „Von wem krieg ich denn heute wieder eine aufs Maul?“. Hierbei ist meine Fähigkeit der telepathischen Tierkommunikation von Vorteil. Ein großes beklemmendes Gefühl der Angst machte sich in meinem Brustkorb breit - nein ICH hatte keine Angst. Das Pferd schickte mir seine eindeutigen Gefühle.

Auf dem Platz starteten wir mit Führtraining. Nein. Das Pferd ist das Gegenteil von dominant. Matz ist unsicher, ängstlich und versucht irgendwie durchzukommen. Die Besitzerin ist einfühlsam und ruhig. Genau das braucht dieser Wallach! Keinen Druck, keine Ungeduld und KEINEN ZWANG! Und erst recht keine Unterdrückung!
Und dann sah ich es! Es fiel mir wie Schuppen von den Augen. Beim ersten Schritt der Schulterkontrolle am Halfter ging sein Blick nach innen. Matz hatte schlichtweg nicht gelernt zu lernen. Er wusste nicht, wie man lernt! Matz hatte die kompletten zwei Jahre versucht, irgendwie durchzukommen ohne zu verstehen!!!!
Nach diesem Schritt ließen wir den Wallach stehen. Nach 5 min das erste Kauen! WOOOW! Weiter gings. Wieder einen Schritt. Warten. Kauen. Weiter. Wir machten Böhnchenschritte! Im wahrsten Sinne des Wortes. Aber endlich fing Matz an zu verstehen. Nach dieser Einheit war sein Blick deutlich entspannter, das Gefühl der Angst war schon nach den ersten Minuten der Einheit verschwunden: „Hey, war ja gar nicht so übel.“
Wir haben diesem Pferd einen Weg des Verstehens und der Motivation gezeigt.
Jetzt kann es Schritt für Schritt für Schritt auf dem Weg zum motivierten und freudvollen Reitpferd weiter gehen!

Danke für dieses Vertrauen in meine Arbeit!

Admin - 19:10 @ Die Gedanken fließen... | Kommentar hinzufügen